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Wolfgang

Bei mir wurde Parkinson vor 15 Jahren diagnostiziert, als ich noch nicht einmal 40 Jahre alt war. Mein rechter Arm wurde steif und bewegte sich nicht, wenn ich ging und meine Handschrift verschlechterte sich. In den ersten fünf Jahren folgte ich den Anweisungen meines Arztes und nahm meine Medikamente. Ich zog einfach weiterhin meine Kinder mit meiner Frau zusammen auf, arbeitete und lebte mein Leben. Ich erzählte niemandem außer meiner Frau von meiner Diagnose. Die Behandlung half gegen meine Steifheit und meine Handschrift wurde fast wieder normal.

Dann begannen die „Freezing“-Attacken bei mir. Wenn ich „erstarre“ (freeze), werden meine Bewegungen sehr langsam und schwierig. Dies kann bis zu 90 Minuten andauern und es kann mehrmals am Tag auftreten. Nach ungefähr fünf Jahren hatten diese „Freezing“-Attacken einen Punkt erreicht, an dem ich meine Parkinson-Krankheit nicht mehr verbergen konnte.

Wenn ich in den Spiegel schaute, sah ich einen Mann mit hängenden Schultern und schlaffen Muskeln und ich entschloss mich, mehr Verantwortung für meine Gesundheit zu übernehmen. Ich begann, jeden Morgen zu laufen und besuchte dreimal in der Woche ein Fitness-Center.

Mit dem Fahrrad zu neuen Höhen
Durch das Training wurden meine Muskeln wieder aufgebaut, mein Selbstvertrauen wieder hergestellt und viele meiner Probleme verschwanden. Ich mochte das Fahrradfahren schon immer, aber ich nahm es sehr viel ernster, nachdem ich die Parkinson-Diagnose erhalten hatte. Auf eine gewisse Art und Weise ist mein Fahrrad jetzt eine andere Medizin für mich geworden. Wenn ich Fahrrad fahre, teile ich enge Straßen mit motorisierten Straßenteilnehmern, ich muss deshalb also mein Gleichgewicht halten und mein Fahrrad unter Kontrolle haben, um gefährliche Situationen zu vermeiden. Wenn Gehen und Bewegen schwierig für mich werden, kann ich immer noch Fahrrad fahren. Wenn meine Stimme durch das „Freezing“ beeinträchtigt ist, macht Fahrrad fahren manchmal sogar meine Stimme besser.

Mein Fahrrad hat mich über 15 Pässe in den Alpen getragen, einschließlich der höchsten Pässe in der Schweiz, Österreich und Italien. Ich weiß jetzt, was es bedeutet, ein Fahrrad mehr als 30 km hart bergauf zu fahren! Fahrrad fahren in den Alpen steht für Freude, für Leiden und dafür, niemals aufzugeben. Es steht dafür, die Stimme in meinem Ohr zu ignorieren, die sagt: „Warum tust du das?“

Ich will nicht empfehlen, dass jeder die Alpen mit dem Fahrrad überqueren sollte, aber ich möchte jeden ermutigen, seine eigenen Ziele und Herausforderungen festzulegen und seine eigenen Alpen zu entdecken.

Gedichte schreiben
In 2005 begann ich damit, Gedichte zu schreiben. Ich weiß nicht genau, was mich zu Beginn dazu inspirierte, aber das Schreiben hat mir einen Weg gezeigt, meine Gefühle und Gedanken über die Parkinson-Krankheit auszudrücken, der mir sehr geholfen hat. Ich habe sogar mehrere Bücher mit Gedichten veröffentlicht.

Dieses Gedicht heißt „Chance“ auf Deutsch bzw. „Opportunity“ auf Englisch.

„Wenn du jeden Tag
ein wenig mehr von dem verlierst,
was du gestern hattest,
dann ist Verzweiflung ein schlechter Ratgeber,
um eine Aussicht auf Morgen zu finden.
Nur wenn wir bereit sind,
über die Dinge nachzudenken,
die seltsam und irreal gewesen sind,
können wir eine Idee davon bekommen,
was für ein unglaubliches Potenzial sich in uns allen verbirgt.
Die Kunst ist, danach in uns selbst zu suchen.
Jeder hat die Chance dazu.“

Unsere inneren Ressourcen finden
Parkinson ist kein Grund, um aufzugeben. Wir haben alle so viele potenzielle Ressourcen in uns selbst. Aber sie sind verborgen und wir müssen sie suchen.

Selbstverständlich würde ich es immer vorziehen, vollkommen gesund zu sein. Aber es ist wahr, dass es Menschen helfen kann, das Potenzial in sich selbst zu entdecken, von dem sie niemals gewusst hatten, dass es die ganze Zeit da gewesen ist, wenn sie eine lebensbedrohende Krankheit haben. Dies war mit Sicherheit bei mir der Fall.

Bis es ein Heilmittel gibt, werde ich mit meinen Ärzten und allen verfügbaren Ressourcen arbeiten, um die Behandlungen und die Unterstützung zu finden, die mir eine dauerhafte Kontrolle meiner Symptome ermöglichen und mir am besten helfen. Ich werde weiter mit anderen Menschen sprechen, die mit der Parkinson-Krankheit leben, um daraus Stärke zu erlangen und diese mit ihnen zu teilen, und ich werde niemals aufhören, mein eigenes Potenzial und meine Ressourcen zu nutzen, um meinen eigenen Weg zu gehen, selbstbestimmt und mit Würde.

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